Warum die Kultur so viele Unternehmen lähmt

Von Dr. Katrin Roppel

Die Unternehmenskultur wird zunehmend als Ursache für Geschäftsprobleme erklärt. Siemens, Deutsche Bank, ThyssenKrupp, Deutsche Bahn, Microsoft, Zurich Insurance – diese Firmen haben aktuell eines gemeinsam: Bestimmte Elemente ihrer Unternehmenskultur scheinen ihrem Erfolg im Weg zu stehen. Berichte über kränkelnde Unternehmenskulturen erstrecken sich über sämtliche Branchen.

© Rainer Sturm / Pixelio.de

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Die Umorganisation der Unternehmensbereiche des Technologiekonzerns Siemens habe zu einer „Angstkultur“ im Unternehmen geführt, so sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Lothar Adler der „Süddeutschen Zeitung“. Kaum eine der mittleren Führungskräfte traue sich noch wirklich, ihre Meinung zu sagen. „Wir brauchen eine neue Unternehmenskultur.“ Beim Versicherungskonzern Zurich Insurance hatte der kürzlich durch den Freitod verstorbene Finanzchef Wauthier in seinem Abschiedsbrief die Gesprächskultur im Unternehmen kritisiert, so schrieb das Handelsblatt. Zurich hatte daraufhin erklärt, dass im Nachgang von Wauthiers Tod die Unternehmenskultur überprüft werde.

Das Chaos in Mainz wurde für die Deutsche Bahn zum Imageproblem. Konzernchef Rüdiger Grube sagte der Zeitung „Die Welt“, es gäbe offenbar „eine Kultur des Schweigens“ im Unternehmen. Informationen seien nicht schnell genug beim Vorstand angekommen, so seine Erklärung. Den Mitarbeitern müsse man die Angst nehmen, damit sie sich zu Wort meldeten, wenn etwas schieflaufe. Das Traditionsunternehmen ThyssenKrupp steckt in der tiefsten Krise der Konzerngeschichte. Vorstandschef Heinrich Hiesinger arbeitet an einer neuen Unternehmenskultur. Der „Welt“ sagte er, „Wir brauchen eine ganz neue Geisteshaltung“. Bei Werten wie Offenheit, Ehrlichkeit, Transparenz und gegenseitiger Wertschätzung gebe es erheblichen Handlungsbedarf. Weiterlesen

Wann wird Unternehmenskultur zum Thema?

Dr. Katrin Roppel

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Solange alles gut läuft, spielt die Kultur für die wenigsten Unternehmen eine Rolle. Praktische Bedeutung bekommt sie, wenn geschäftliche Probleme auftauchen, bei Veränderungen wie Unternehmensnachfolge, Inhaberwechsel, Fusionen, Betriebsübernahmen, Personaleinstellungen oder Personalaustritte. Bei Veränderungen der internen oder externen Faktoren und wenn Theorie und Praxis auseinanderfallen, dann wird Unternehmenskultur zum Thema.

Mit Kultur beschäftigt man sich meistens erst, wenn das Kind sprichwörtlich bereits in den Brunnen gefallen ist. Ein schönes Beispiel hierfür sind die Banken, die derzeit einen „Kulturwandel“ ankündigen. Bei der Deutschen Bank spricht man von einem Kulturwandel, der schmerzhaft, aber nötig sei. Die britische Großbank Barclays streicht im Rahmen ihres „Kulturwandels“ Tausende Stellen und auch beim Energieversorger ENBW soll ein Kulturwandel das Unternehmen in die Nachatom-Ära führen. Aber was ist mit dem Kulturwandel überhaupt gemeint? Weiterlesen