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Wahrheitsliebe im Bewerbungsverfahren: Wie genau nehmen Sie’s mit der Ehrlichkeit?

Von Dr. Katrin Roppel

neugierig_grün.fwEhrlichkeit. Ein Wert, der vielen Menschen wichtig ist. Die Wertekommission ermittelte im Jahr 2013, dass Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit für Führungskräfte unerlässliche Handlungseinstellungen sind, um langfristig erfolgreich zu wirtschaften. Wertebewusstes Handeln wirkt sich positiv auf Mitarbeiterbindung, Unternehmenskultur, Kundenbeziehungen und die Reputation des Unternehmens aus.

Gerade der vieldiskutierten Generation Y, die jungen, gut ausgebildeten Absolventen, die derzeit auf den Arbeitsmarkt drängen, wird nachgesagt, hohe Ansprüche bezüglich Werteorientierung und sinnhafter Tätigkeit an die Unternehmen zu stellen. Für die heutigen Absolventen und Studierenden scheinen offensichtlich ethische und moralische Handlungsweisen eines Unternehmens wichtiger als Geld zu sein.

Bewerbungsunterlagen

Doch eine aktuelle Studie des Jobportals Jobware unter 36.000 Bewerbern und 10.000 Personalern ergab nun, dass sich 43 Prozent der Bewerber in ihren Bewerbungsunterlagen nicht ganz an die Wahrheit halten und 29 Prozent sogar systematisch lügen. Da werden Lebensläufe geschönt, Unebenheiten ausgebügelt und Lücken mit erfundenen Weiterbildungen oder Auslandsaufenthalten kaschiert. Es scheint, als sei es nicht weit her mit der Ehrlichkeit und Werteorientierung.

Doch sind die Sorgen der Kandidaten, ohne Lebenslauf-Beschönigungen im Wettbewerb mit anderen Interessenten, keine Chance auf einen Job zu haben, nicht allzu verständlich? Auch in Vorstellungsgesprächen versucht man, sich bestmöglich zu präsentieren und lieber nicht die ganze Wahrheit preiszugeben. Man denke nur an die berühmte Frage nach den Stärken und Schwächen. Wer erwartet hier wirklich eine ehrliche Antwort?

Fördern Personaler sogar Unehrlichkeit?

96 Prozent der befragten Personaler fanden, dass sich Lücken im Lebenslauf nachteilig auswirken. Was bleibt Kandidaten dann anderes übrig, als mit den anderen „lückenlosen“ Lebensläufen gleichzuziehen und ihre nachteiligen Schwachstellen mit viel Fantasie auszubügeln? Letztendlich handelt es sich nur um eine Anpassung an gegebene Bedingungen und wenn Unternehmen eben lückenlose Lebensläufe fordern, dann bekommen sie diese auch. Mehr oder weniger ehrlich.

Unternehmen halten es mit der Wahrheit auch nicht so genau

Glaubwürdigkeit Employer Branding

© StepStone Employer Branding Report 2011. Geringe Glaubwürdigkeit: Rund 80 % der Mitarbeiter sagen, das kommunizierte Arbeitgeberimage ihres Unternehmens habe mit der Realität nicht viel gemein.

Wie wahrheitsgetreu geben sich Unternehmen in Stellenausschreibungen, auf Karrierewebsites und in Arbeitgeberpräsentationen? Wie ehrlich beschreiben sie sich, das Betriebsklima und die angebotene Tätigkeit in Vorstellungsgesprächen? Laut dem Stepstone Employer Branding Report 2011 finden rund 80 Prozent der befragten Mitarbeiter, das kommunizierte Arbeitgeberimage ihres Unternehmens habe mit der Realität nicht viel gemein. Das heißt, auch hier wird geschönt und weichgespült, um im Rennen um die besten Kandidaten als Arbeitgeber die Nase vorn zu haben. Plötzlich ist jede noch so kleine Bude Marktführer, die einfache Admin-Tätigkeit wird zur Projektmanagement-Rolle aufgebauscht und die vermeintlich umfangreichen Sozialleistungen beschränken sich in Wahrheit auf einen Obstkorb am Empfang.

Doch diese Unehrlichkeit von Arbeitgebern und Arbeitnehmern hat Auswirkungen: Sie führt zum Mismatch, denn einerseits gibt es immer wieder Unternehmen, die keine Mitarbeiter für die ausgeschriebenen Stellen finden und andererseits Bewerber, die keinen Job finden. Was gilt es also zu tun, um den Recruiting-Prozess für beide Seiten ehrlicher und damit erfolgreicher zu gestalten?

5  Schritte für einen erfolgreicheren Personalauswahlprozess:

IdeeSchritt 1: Betrachten Sie Ihre Firmenkultur als Alleinstellungsmerkmal für Personalgewinnung und -bindung und pflegen Sie sie entsprechend. Erarbeiten Sie die wirklichen Unterschiede gegenüber anderen Unternehmen. Was macht Sie als Arbeitgeber aus?

IdeeSchritt 2: Überlegen Sie, wie der „richtige“ Mitarbeiter sein, denken, sich verhalten müsste, um zu Ihrer Kultur zu passen bzw. diese zu bereichern und einen guten Job zu machen. Orientieren Sie sich dabei an tatsächlich gelebten Unternehmenswerten und nicht an subjektiven Einschätzungen.

IdeeSchritt 3: Kommunizieren Sie Ihre wichtigsten Arbeitgebermerkmale authentisch, offen und ehrlich über die Kanäle, die Ihre Zielgruppe erreichen.

IdeeSchritt 4: Achten Sie auf einen professionellen Rekrutierungsprozess und eine vertrauensvolle, angenehme Gesprächsatsmosphäre, die es Bewerbern erlaubt, selbst ehrlich zu sein. HR hat Signalwirkung.

IdeeSchritt 5: Hält Ihr Arbeitgeberversprechen das, was es verspricht? Achten Sie auf wichtige Kontaktpunkte beim Recruiting bzw. Personalmarketing, bei Einarbeitung und Personalentwicklung und auch bei Austritt, Rente und Kündigung.

Unehrlichkeit wirkt sich auf die Motivation aus

MotivationLetztlich kann sich Unehrlichkeit im Bewerbungsverfahren auch negativ auf die Motivation der Mitarbeiter auswirken. Weichen nämlich die persönlichen Werte von den Unternehmenswerten sehr stark ab, was aufgrund unehrlicher Angaben von Seiten der Kandidaten bzw. auch der Unternehmen nicht richtig im Vorfeld eingeschätzt werden kann, hat dies negative Effekte auf die intrinsische Motivation der zukünftigen Mitarbeiter. Diese arbeiten dann um extrinsischer Anreize, wie Geld, Bonuszahlungen oder Karrierechancen wegen. Stimmen aber die persönlichen Werte der Mitarbeiter mit den Unternehmenswerten weitestgehend überein, erhöht sich auch die intrinsische Motivation, d.h. das Verhalten aufgrund von Freude an der Tätigkeit selbst und dies fördert eigenverantwortliches Handeln. Wahrheitsgetreue Angaben sowohl beim Selbstmarketing der Kandidaten als auch beim Personalmarketing der Unternehmen haben positive Auswirkungen auf beiden Seiten.

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2 Kommentare zu “Wahrheitsliebe im Bewerbungsverfahren: Wie genau nehmen Sie’s mit der Ehrlichkeit?

  1. Kommt hinzu, dass die Absicht zur möglichst positiven Darstellung seiner selbst, unabhängig ob unternehmens- oder bewerberseitig, nachvollziehbar ist, aber eben auch dazu führt, das Unternehmens- wie auch Bewerberprofile glattgebügelt und austauschbar werden. In der Konsequenz manövrieren sich Unternehmen in die Gleichförmigkeit und vernachlässigen das Potenzial, das in dem wichtigsten Differenzierungs- und Leistungsmerkmal steckt: dem Menschsein.

    Danke für den Aufrüttler!

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