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„Gesunde Führung statt Burnout – Vom starren Organigramm zum lebendigen Organismus“ – Buchrezension

Von Dr. Katrin Roppel

Gesunde Führung statt Burnout

Dr. Jörg-Peter Schröder
„Gesunde Führung statt Burnout
– Vom starren Organigramm zum lebendigen Organismus“
ISBN 978-3-86974-500-8
Verlag: steinbach medien network
Cover: © steinbach medien network

Ich möchte Ihnen heute ein neues Buch vorstellen, welches mir kürzlich auf den Schreibtisch geflattert ist. Es behandelt Aspekte, die für eine lebendige Unternehmenskultur ausschlaggebend sind und liefert konkrete Handlungsempfehlungen, wie Führungskräfte mit kleinen Schritten zu mehr Gesundheit im Unternehmen beitragen können. „Gesunde Führung statt Burnout“ ist beim Verlag Steinbach Medien Network erschienen.

Wir haben das Ende der „Schneller-Höher-Weiter-Spirale“ fast erreicht, so die Meinung von Dr. Jörg-Peter Schröder, Führungs-Coach und Burnout-Experte. Unternehmen, die sich primär an Effizienz und Wachstum um jeden Preis orientieren, schaden sich langfristig selbst, denn sie entwickeln eine krankende und zu Krankheit der Mitarbeiter führende Unternehmenskultur.

Jörg-Peter Schröder hat ein Umdenkbuch für innovative Führungskräfte geschrieben und plädiert für die Betrachtung des eigenen Führungsverhaltens aus einem neuen Blickwinkel. Als Arzt im Gesundheitsmanagement zieht er Parallelen zwischen Strukturen in Unternehmen und Strukturen lebender Organismen. „Organismen können in der Natur nur dann überleben, wenn sie wandlungs- und anpassungsfähig bleiben. Auch zukunftsfähige Unternehmen haben neben Feedback-Mechanismen und Regelkreisen, die ihnen eine dynamische Stabilität geben, mit ihrer dezentralen Aufbau- und Ablauforganisation und einer Verantwortungsdelegation die Möglichkeit zur Metamorphose.“ Ein lebendiger Organismus könne als Vorbild dienen, wie in Zukunft Personalentwicklung und Organisationsdiagnostik verzahnt werden müssten.  Auf dieser Annahme aufbauend entwickelte er ein „Acht-Phasen-Modell zum Turnaround“, welches sich für die Umsetzung von Veränderungsprojekten im Management eignet. Bei der Durchführung empfiehlt Schröder neben der Analyse der Ist-Situation, Coachings und Workshops für Unternehmensleitung, Führungskräfte und Mitarbeiter, um eine gemeinsame Vision und konkrete Schritte zur Umsetzung zu entwickeln. Das gesamte Konzept ist lösungs- und ressourcenorientiert.

An vielen Stellen spricht mir Herr Schröder wahrhaft aus der Seele, wenn er schreibt: „Können wir es uns leisten, dass Unternehmen einerseits sehr kostengünstige Produkte herstellen, andererseits aber ihre Mitarbeiter systematisch ausnutzen, sodass diese unter einer schlechten Führung krank werden? Wenn es zu einer über die Belastungsfähigkeit hinausgehenden Ausnutzung von Ressourcen, einer Monokultur nicht mehr angemessener Führungseigenschaften und zu einer Erosion der Werte kommt, darf sich niemand wundern, dass langfristig ganze Unternehmen ausbrennen.“ Er weist darauf hin, dass der Arzt einen Burnout-Patienten sowohl auf physische als auch auf psychische Komponenten hin untersucht, wohingegen bei einem kränkelnden Unternehmen immer noch primär Kennzahlen und Bilanzen analytisch überprüft werden.

Da ich als Unternehmensethnologin selbst den Ansatz vertrete, nicht nur die Zahlen eines Unternehmens in den Blick zu nehmen, sondern die Menschen, die zur Wertschöpfung beitragen (siehe dazu auch meinen Beitrag „Ist Unternehmenskultur managebar?“), kann ich ihm nur zustimmen. Unternehmen und Führung müssen ganzheitlich betrachtet und verändert werden, um einen „gesunden lebendigen Organismus“ zu schaffen.

Bei Veränderungen gilt es das Wechselspiel dreier Ebenen systemisch zu berücksichtigen:  die Ebene der Mitarbeitenden (Zellebene), die Ebene der Teams (interzellulär) und die Ebene der Organisation (transzellulär). Maßgebliche Rolle spielen dabei die Führungskräfte, die das Unternehmen auf diesen drei Ebenen beeinflussen und neu gestalten können. Allem voran steht die Voraussetzung, sich als Führungskraft selbst in Frage zu stellen, zu reflektieren und zu verstehen (zelluläre Ebene). Nur Führungskräfte, die sich ihrer selbst bewusst und authentisch sind, können andere auch verstehen und führen. Führung von innen ist also die Empfehlung. Dem folgt die Arbeit auf der „interzellulären Gewebeebene“, also der Team-Ebene, wo es die Kommunikation und Interaktion zwischen den Mitarbeitern zu verbessern gilt. Zuletzt erfordert Schröders Konzept die Betrachtung des Gesamtorganismus‘, d.h. die Organisation selbst mit ihren Auswirkungen auf die Gesellschaft, ihre Aufbau- und Ablaufstrukturen mit Kernprozessen, Rollen, Regelungen und Verantwortlichkeiten. Hier geht es darum, die systemischen Voraussetzungen zu schaffen, damit Erfolg auf den anderen Ebenen gelingen kann.

Jörg-Peter Schröder weist nicht nur auf die Missstände in Unternehmen hin, die zu Burnout und Krankheit der Mitarbeiter und ganzer Unternehmen führen, sondern plädiert für ein „Leadership in Balance“, um gemeinsame Werte und gesunden Mehrwert entstehen zu lassen. Es bleibt aber keineswegs bei einem Plädoyer; der Leser erhält zahlreiche Checklisten mit Fragen zur Selbstreflexion und konkrete Tipps, wie sich Führung in Balance umsetzen lässt. Denn ein Umdenken hin zu mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen ist dringend erforderlich. Dafür bedarf es Mut, gewohnte Abläufe in Frage zu stellen und es bedarf das Wollen der Führungskräfte, mit gutem Beispiel voranzugehen und andere „anzustecken“, um gemeinsam eine gesunde Führungskultur anzulegen.

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