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Was machen Sie denn beruflich?

Dr. Katrin Roppel

Zugegeben, Unternehmensethnologie ist ein Wortungetüm. Aber auch ein richtig tolles Wort, um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen!

© Rainer Sturm / Pixelio.de

© Rainer Sturm / Pixelio.de

Sie kennen das sicherlich: Sie stehen auf einer Messe oder Tagung an einem Bistrotisch herum und es gesellt sich jemand zu Ihnen. Bald kommt die Frage: Was machen Sie denn beruflich? Ich bin Unternehmensethnologin. Schweigen. Was macht man denn als Unternehmensethnologin? Ich erzähle dann immer von den Ethnologen, die fremde Völker erforschen und deren Kultur verstehen wollen. Das meiste Wissen, das wir heute über andere Kulturen auf der Welt haben, stammt von Ethnologen. Ich aber reise nicht in die Urwälder des Amazonasgebietes, sondern in die Büros deutscher Unternehmen. Ich möchte ihre Kultur verstehen und helfe ihnen dabei, diese zu verbessern und Probleme aufzudecken, damit die Mitarbeiter motivierter sind und gerne für ihr Unternehmen arbeiten. Aha. Da gäbe es ja in unserem Unternehmen einiges für Sie zu tun … Und schon höre ich eine weitere Geschichte über die Zustände in deutschen Firmen. Vieles davon erinnert mich an Martin Wehrles Erfolgsbuch „Ich arbeite in einem Irrenhaus“. Die Anekdoten in diesem Buch klingen zwar etwas überspitzt, aber wenn man den Menschen so zuhört, scheinen sie nicht frei erfunden zu sein.

Firmen versuchen inzwischen vieles, um ihre Mitarbeiter zu motivieren und bei Laune zu halten, aber die meisten Maßnahmen haben keinen nachhaltigen Effekt. Warum? Weil kein Dialog mit den Mitarbeitern stattfindet, weil die Führungsetage Dinge beschließt, die von der Belegschaft nicht mitgetragen werden. Man versucht menschliches Verhalten mit betriebswirtschaftlichen Methoden zu steuern.

Ethnologen halten sich bei ihren Forschungen nicht an die Eliten, sondern erschließen eine Kultur von innen heraus. Dabei werden alle Schichten berücksichtigt. Nur wer versteht, warum die Menschen die Dinge tun, wie sie sie tun, kann eine Kultur begreifen. Und ein Unternehmen ist nichts anderes als ein soziales System, bestehend aus Menschen, die diese Kultur erlernt haben und an andere Mitarbeiter weitergeben. Das heißt, jeder einzelne Mitarbeiter ist Teil dieser Kultur und gestaltet sie mit. So wie wir alle auch Teil der Kultur in Deutschland sind und von Geburt an von unseren Eltern und unserem Umfeld gelernt haben, wie man sich in dieser Kultur verhält. Sie ist für uns selbstverständlich geworden, wir hinterfragen sie nicht mehr. Erst wenn wir im Urlaub, auf Reisen, im Beruf oder anderswo mit Menschen aus anderen Kulturen in Kontakt kommen, fallen uns Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten auf. Wir lernen, dass man nicht unbedingt nur mit Messer und Gabel essen kann, sondern auch beispielsweise mit Stäbchen und dass es nach etwas Übung auch richtig gut funktioniert. Genauso funktioniert Innovation in Unternehmen. Über den eigenen Tellerrand zu blicken eröffnet eine neue Sichtweise. Vielleicht finden wir es inzwischen sogar cool, wenn wir beim Asiaten um die Ecke mit „echten“ Stäbchen essen und nicht mit Messer und Gabel? Weil wir dadurch vielleicht ein Stückchen weit in die asiatische Lebenswelt eintauchen und uns fühlen können, als würden wir dazu gehören. Kultur schafft Zugehörigkeit und Sicherheit, sie gibt uns einen Rahmen innerhalb dem wir wissen, wie wir uns bewegen müssen. Kultur stiftet Sinn und macht das Leben berechenbar. Die Menschen mögen Berechenbarkeit.

Die Kultur in Unternehmen wurde in den letzten Jahren sehr vernachlässigt, deshalb fühlen sich viele Mitarbeiter auch nicht an ihr Unternehmen gebunden. Durch Reorganisationen und Umstrukturierungen haben sich viele Firmen sogar um ihre Kultur gebracht.  Sie wurde schlicht „platt gemacht“. Warum sollte man sich für ein Unternehmen engagieren, in das man kein Vertrauen hat, in dem keine Kultur vorhanden ist, die Berechenbarkeit und Sicherheit bietet?

Als Unternehmensethnologin helfe ich Unternehmen ihre Kultur zu hegen, zu pflegen und wieder aufzubauen. Haben Sie eine Geschichte über die Kultur in Ihrem Unternehmen zu erzählen? Dann schreiben Sie mir doch einfach! Oder kommen Sie an meinen Bistrotisch und erzählen Sie …
Unternehmensethnologie – ein tolles Wort, um ins Gespräch zu kommen, finden Sie nicht?

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